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Weißpünktchen

Allgemein
Die Weißpünktchenkrankheit gilt als eine der häufigsten Aquarien-Fischkrankheiten überhaupt. Es handelt sich bei den Erregern um einzellige Wimperntierchen (Ciliata) mit dem Namen Ichthyophthirius multifiliis, kurz Ichtyo-Erreger. Sie werden in der Regel durch Stress oder Schwäche ausgelöst, insbesondere durch Neuzugänge. Man sagt sogar, dass sich der Erreger in jedem Aquarium aufhält, die Immunabwehr der gehaltenen Fische aber bei guter Wasserqualität und artgemäßer Haltung gut entwickelt ist. Es handelt sich also um einen klassischen Schwächeparasiten.
 
Kennzeichen sind weiße Pünktchen die sich auf Flossen, Schuppen und Kiemen der Fische bilden. Diese Krankheit begünstigt die Vermehrung der typischen Krankheitserreger. Bei leichtem Befall kann man die Weißpünktchenkrankheit mit Salz behandeln.
 
Ursache
Es gibt verschiedene Infektionswege:
·Gesunde Neuzugänge bringen einen fremden Stamm der Wimperntierchen in das Aquarium ein und infizieren so den Altbestand, da diese gegen die neu eingebrachte Form keine ausreichenden Abwehrkräfte haben. Hier besteht auch die Möglichkeit, dass der Neuzugang, bei steigender Erregerdichte, selbst erkrankt. Dies muss aber nicht zwingend passieren.
·Gesunde Neuzugänge erkranken kurz nach einbringen in das Aquarium. Die Ursache hier ist meist der vorhandene Erreger, gegen den der Neuzugang noch keine ausreichenden Abwehrkräfte besitzt. Auch hier kann, bei steigender Erregerdichte, der Altbestand erkranken. Die muss aber nicht zwingend passieren.
·Ein weiterer Infektionsweg stellt das Einbringen von Schwärmen, Wasser, Pflanzen oder Bodengrund aus fischbesetztem Freilandgewässer dar. Auch die Hand selbst – hat sie z. B. vorher in einem anderen Aquarium gearbeitet – kann Überträger der Erreger sein.
·Auch die sogenannte Verpaarung oder Konjugation von Ichtyo-Erregern ist oft Ursache der Erkrankung. Zur Konjugation kann es kommen, wenn z. B. ein frischbefallener Fisch verstirbt, die Erreger freigesetzt werden und sich durch Dauercystenbildung längere Zeit am Aquarienboden absetzen können.
 
Symptome
Die Symptome der Ichtyo (Weißpünktchen- oder Grieskörnchenkrankheit) sind leicht auszumachen, wenn auch im Anfangsstadium Verwechslungen mit z. B. Cryptocarion (vorwiegend im Meerwasser), Lymphocystis oder Oodinium bestehen. Dennoch sind die charakteristischen Pünktchen, welche in ihrer Größe – abhängig von der Fischart –  variieren (0,5 – 1,0 mm Durchmesser) leicht zu erkennen. Zuerst befallen i.d.R. die Flossen, breiten sich dann aber rasch über den gesamten Fischkörper aus.
 
Mit Ausnahme des Harnischwelses, wo sich die Pünktchen meist an den Kiemen festsetzen (und somit nicht zu erkennen sind). Ursache hierfür ist der Erreger selbst, er sucht sich Körperstellen an denen er sich ohne großen Widerstand festsetzen kann und diese sind bei Harnischwels die Kiemen. Problematisch ist dies, da die Krankheit oft nicht rechtzeitig festgestellt werden kann und die Infektion somit häufig zum Tod der Fische führt. Dennoch gibt es auch beim Harnischwelsen Anhaltspunkte, sie „schaukeln“ oft in Ihren Höhlen und zeigen verstärktes Flossenwedeln, ähnlich wie bei der Brutpflege der Ancistrinen-Männchen.
 
Befallene Fische halten sich häufig im Ströhmungsbereich auf oder streifen durch die Bepflanzung. Es ist zu vermuten, dass die Pünktchen jucken. Somit kommt es zu schaukelnden Bewegung der Fische oder Scheuerbewegungen. Dieses Verhalten kann auch schon vor dem Sichtbarwerden der Punkte erfolgen. Schwarmfische sondern sich häufig vom Schwarm ab.
 
Behandlung und Prophylaxe
Die Krankheit verläuft bei starkem Befall tödlich. Besonders der Rote Neon, die Prachtschmerle, die Black Molly oder die Sumatrabarbe werden binnen weniger Stunden dahingerafft. Das Wimperntierchen gräbt sich in die Fischhaut ein – die bei o.g. Arten besonders dünn ist – und schmarotzt, dadurch kommt es zu Bakterienbefall dem der Fisch mit seinem geschwächten Immunsystem nichts entgegenzusetzen hat.
 
Prophylaktisch sollte ein Neuzugang im Idealfall 3 Wochen in Quarantäne gehalten werden. Somit ist eine Übertragung auf diesem Wege nahezu auszuschließen. Sind die Fische aber befallen gibt es mehrere Möglichkeiten zur Behandlung. Eines gilt aber in jedem Falle: Eile ist geboten!
 
Die Salzbehandlung:
Bei einem leichten Befall ist die Durchführung der Salzbehandlung in Verbindung mit einer geringen Temperaturerhöhung erfolgsversprechend. Zu beachten ist aber, dass verschiedene Arten die Aufsalzung nicht gut vertragen (roter Neon, L-Welse, Wirbellose etc.). Eine Empfehlung von Renate Husmann lautet: Bei weichem Wasser (unter 8°dH): 1 gr. unjodiertes Salz auf 12,5 ltr. Wasser, bei mittelhartem bis hartem Wasser (ab 12°dH) 3 gr. unjodiertes Salz auf 10 ltr. Wasser. Besonders gut verträglich ist diese Methode bei Karpfenartigen und Lebendgebärdenden.
 
Die Temperaturmethode:
In der Zwischenzeit ist die Temperaturmethode umstritten. Dennoch hier eine kurze Schilderung:
1.Man behandelt mit einem Medikament oder Salz und möchte durch Erhöhung der Temperatur schneller das sogenannte Schwärmerstadium der Erreger erreichen um so die Erreger abtöten zu können. Im Allgemeinen sollte die Temperatursteigerung max. 2-3°C betragen wobei max. 1°C/Stunde erwärmt werden sollte, das Absenken der Temperatur sollte in jedem Fall langsamer vollzogen werden.
2.Man steigert die Temperatur so hoch, dass der Ichtyo-Erreger abstirbt. Dies erfolgt erfahrungsgemäß bei etwa 30-31°C. Hier ist aber zu beachten, dass nicht alle Fische eine solch hohe Wassertemperatur vertragen und bei manchen Fischen mehr Unheil angerichtet wird als Hilfe gegeben. Auch ist unbedingt zu beachten, dass die Sauerstoffsättigung bei höherer Temperatur wesentlich geringer ist. Zur Veranschaulichung: bei 20°C beträgt die Sauerstoffsättigung durchschnittlich 9 mg/ltr. Bei 30°C nur noch etwa 7 mg/ltr. wobei aber der Sauerstoffbedarf bei den Fischen durch die Temperaturerhöhung diametral ansteigt.
Umstritten ist diese Methode, da in der Zwischenzeit Ichtyo-Erreger beobachtet wurden, die nicht die erwünschte Reaktion auf die Temperaturerhöhung zeigen. Sie sterben nicht ab. Es wird also angenommen, dass diese Methode – alleine angewandt – mehr schadet als nutzt.
 
Die Umsetzmethode:
Die Ichtyo befallenen Fisch werden alle 12 Stunden in ein gut ausgespültes, komplett neu gefülltes Aquarium umgesetzt. Durch das Umsetzen werden jedes Mal freigesetzte Schwärmer im vorangegangenen Becken zurückgelassen. Die Behandlung dauert fünf bis sieben Tage an. Zu beachten ist in erster Linie die Temperatur. Die Unterschiede zwischen den Becken sollten nicht größer als 1-2°C sein, auch sollte die Temperatur unter keinen Umständen kühler als im Stammbecken sein.
 
Die Medikamentöse Behandlung:
Der hilfreiche Wirkstoff hier ist Malachitgrünoxalat oder -chlorid. Wobei der erstgenannte aggressiver ist und somit in geringerer Dosierung angewandt wird. Beide Wirkstoffe sind sehr effektiv, sollten aber ausschließlich bei Zierfischen und unter keinen Umständen bei Speisefischen eingesetzt werden (Malachitgrün wird krebserregend auf den menschlichen Organismus). Malachitgrünhaltige Präparate werden von den meisten Fischarten gut vertragen, lediglich manche Salmer (z.B. rote Neons, Neotetras) scheinen sensibel zu reagieren. Schnecken werden von der Behandlung nicht beeinträchtigt, sollten aber, wie Garnelen, im Idealfall während der Behandlung aus dem Becken genommen werden. Eine leichte Salzzugabe kann die medikamentöse Therapie durchaus unterstützen.

Kosmos Handbuch Pferd Strahlfäule

Pflegemängel
Mangelhafte Pflege verursacht auch Krankheiten, die eigentlich längst weitgehend „ausgerottet“ sein müssten. Sie können deshalb durch vorsorgende Pflege verhütet werden.

Strahlfäule
Strahlfäule ist eine durch Pflegemängel verursachte Erkrankung des Hufes, genauer gesagt, des Hornstrahls. Die Fäule zerstört das Gewebe. Typisch dafür ist der faulige, oft stark jauchige Geruch der zerfallenden Strahlteile. AUCH Hufkrebs kann in den Anfangsstadien vergleichbar aussehen (führt aber später zu teils extremen Sohlen- und Wandveränderungen). Ursache der Strahlfäule sind immer über längere Zeit ungepflegte Hufe sowie eine unhygienische Haltungsanlage mit mangelhafter Stalleinstreupraktik und/oder stark mit Matsch-Käkalien kontaminierten Auslauftretschichten. Sowohl Vorder- als auch Hinterhufe sind betroffen. Symptome erkennt auch der Laie schnell: Meist sind die seitlichen Strahlfurchen zunächst feucht, sie riechen jauchig. Später setzt sich der Gewebezerfall in dem kompletten Strahlbereich fort. Es sind in der Folge Strahl-Fetzen zu sehen. Die Fäulnis erreicht innerhalb sehr kurzer Zeit lebende Hufschichten, die sich durch eingedrungene Keime entzünden. Folgen sind Infektionen und Lahmheiten.
Therapien sollte der Tierarzt (evtl. in Zusammenarbeit mit einem kundigen Schmied) nach Untersuchung festlegen. Dabei wird geprüft, ob es sich um Hufkrebs handelt. Immer sind alle faulen Strahlteile abzutragen, um für Luftzufuhr zu sorgen und die Fäulnisprozesse einzudämmen. Befallene Hufe sollten in 5-%-iger Kupfersulfatlösung gebadet oder durch 10%-igen Jodoformäther behandelt werden (alles in Absprache mit dem Tierart vor Ort!). Bei stark fortgeschrittener Verfaulung muss u.U. eine Drainage gelegt werden; auch kann due Anwendung von Antibiotika und Pilzwehrmitteln in schweren Fäulnisfällen ratsam sein.

Dieser Beitrag stammt aus

Kosmos Handbuch Pferd

Ingolf Bender

400 Seiten, 350 Farbfotos und 30 Farbgrafiken
KOSMOS Verlag


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