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Milchfieber

Allgemein
Milchfieber oder auch Gebärparese oder Kalbefieber betrifft neben Kühen und Schafen auch bestimmte Hunde, meist kleine bis mittelgroße Rassen. Das Milchfieber unterscheidet sich grundlegend von dem des Menschen, hat also nichts mit dem Milcheinschuss selbst zu tun. Vielmehr ist der verminderte Calcium-Gehalt des Blutserums (Hypokalzämie) die Ursache. Auch handelt es sich bei den Symptomen (außer bei Hunden) auch nicht um Fieber sondern vielmehr um eine „Unbeweglichkeit“ bedingt durch Calcium-Mangel.
 
In der heutigen Zeit ist ein rapider Anstieg von Milchfieber beim Rind zu beobachten was in der Produktion von extrem hohen Milchmengen pro Kuh begründet ist. Es handelt sich sogar um die häufigste Erkrankung in der Milchviehwirtschaft. Bei Hunden ist die Krankheit weniger verbreitet.
 
Ursache
Der Calcium-Bedarf während der Trächtigkeit eines Hundes wird über die Nahrungs- bzw. Futteraufnahme abgedeckt. Kommt es zur Milchabgabe/Säugung wird eine beträchtliche Menge des Calciums hierüber abgeführt. Aber auch diese Calcium-Menge kann und wird problemlos über die Nahrungsaufnahme geregelt.
 
Das Milchfieber entsteht zwischen diesen beiden Phasen (Trächtigkeit und Milchabgabe nach der Geburt). Die Geburt stellt einen Übergang dieser beiden Stoffwechsellagen dar mit der Problematik, dass der Mehrbedarf an Calcium aus dem Futter noch nicht an die Abgabe in die Milch angepasst ist. Dadurch kommt es zu einem plötzlichen Abfall des Calcium-Spiegels im Blut, sogenanntes freies Calcium.
 
Symptome
Calcium erfüllt im Körper verschiedene Funktionen. Eine – für das Milchfieber relevante – ist die Beeinflussung des Nervensystems bzw. das Aktionspotential der Muskelzellen. Bei zu geringem Calcium-Spiegel sind die Muskeln nicht mehr in der Lage zu kontrahieren. Was im Falle des Milchfiebers auch zum Stillstand des Herzmuskels führen kann und somit zum Tod des Tieres.
 
Grundsätzlich unterscheidet sich der Verlauf des Milchfiebers aber bei Rindern/Schafen und Hunden:
 
Rinder/Schafe:
Der typische Zeitpunkt für die Feststellung von Calcium-Mangel ist unmittelbar nach der Geburt bis etwa zwei Tage danach. Die Kuh beginnt mit einem taumelden Gang, stolpert, grätscht mit den Hinterbeinen weg oder kommt gar ganz zum Erliegen (Festliegen). Dabei kann es so weit kommen, dass die Kuh auch die Muskulatur am Hals nicht mehr kontrollieren kann und mit dem Kopf wild um sich schlägt (Achtung Verletzungsgefahr). Die Tiere weisen punktuell einen erhöhten Puls (Tachykardie) auf und – wie unter „Allgemein“ bereits erwähnt –eine zu niedrige Körpertemperatur (Hypothermie). Auch wird bei vielen Tieren Apathie beobachtet. Dieser Zustand führt bei ca. 75 % zum Tod, sofern nicht rechtzeitig mit Gegenmaßnahmen begonnen wird.
 
Hunde:
Vorwiegend betroffen sind, wie bereits erwähnt, eher kleine bis mittelgroße Hunde. Im Gegensatz zum Rind/Schaf setzen die Symptome erst nach ein bis zwei Wochen nach der Geburt ein. Es beginnt meist mit leichtem Muskelzucken und -zittern, ängstlichem Verhalten und einem „steifen“ Gang bis hin zum Festliegen. In Folge steigt die Temperatur auf bis zu 40°C an (Milchfieber). In seltenen, nicht erkannten Fällen kann es zur Entmineralisierung der Knochen und einer Nierenüberfunktion kommen.
 
Behandlung und Prophylaxe
Wie so oft gibt es auch hier verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die unterschiedlich erfolgsversprechend sind. Häufig werden ca. 10 Tage vor dem errechneten Geburtstermin Vitamin D3-Injektionen verabreicht um den Calcium-Spiegel im Vorfeld zu erhöhen. Jedoch weiß man heute auch, dass diese Behandlungsmethode keinen ausreichenden Schutz bietet. Auch eine Verabreichung von calciumarmen Futter – um die körpereigene Calcium-Produktion anzukurbeln – bietet nur bedingten Erfolg. Es handelt sich hierbei um eine sogenannte Transitfütterung die exakt angewendet mindestens über drei Wochen durchgeführt werden muss.
 
Vor Entdeckung der Krankheit (um 1935) hat man Luft in die Euter geblasen (Insufflation) was zur Folge hatte, dass die Milchproduktion reduziert wurde und somit auch der Calciumbedarf sank. Heute werden üblicherweise calciumhaltige Lösungen injiziert, häufig in Kombination mit Phosphor so wird der Calcium-Bedarf aufgefüllt und das Tier hat die Möglichkeit in die nächste Stoffwechselphase über zu gehen was in der Regel völlig problemlos erfolgt.
 

Kosmos Handbuch Pferd „Unglücklich Pferde“

Bei nicht pferdegerechtem Haltungsareal und/oder rabiat-gefühllosem Umgang und unangemessenem Training sind Pferde auch „unglücklich“. Wann Pferde individuell unglücklich sind lässt sich nicht immer einwandfrei beobachten. In vielen Fällen kann man dies aber hinreichend stichhaltig vermuten oder durch Messung von Stressoren belegen.

Stets sind Pferde aus Einzelhaltung in deckenhoch vergitterten und muffig-dunklen Boxen ohne artgerechte Sozialkontakte und ohne genügend Außenreize aufgrund ihres typischen Gesichtsausdrucks (=abgestumpfter, matter Blick, gesenkter Kopf) und aufgrund des sonstigen Verhaltens als „unglücklich“ zu bezeichnen. Gleiches gilt aber auch bei unfachlich organisierten Gruppenhaltungen für solche Pferde, die rangniedrig sind und stets durch vielfach zu sehenden räumliche Enge sowohl Territorial-Repressalien als auch Futterneidattacken ausgesetzt sind.

Völlig naturwidrig (mit der Folge „unglücklicher“ Stimmung) ist ebenfalls, wenn durch ungünstige Stallverhältnisse, u.a. auch durch zu große Gruppen (mehr als 10 Pferde) auf zu engem Raum, leider auch durch menschliche Faulheit oder Sparsamkeit, Pferden das Ausruhen sowie der Tiefschlaf in Seitenlage erschwert oder teilweise total verhindert wird.

Dieser Beitrag stammt aus

Kosmos Handbuch Pferd

Ingolf Bender

400 Seiten, 350 Farbfotos und 30 Farbgrafiken
KOSMOS Verlag


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