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Hufrehe

Hufrehe (Laminitis) gehört zu den gefürchtetsten Pferdekrankheiten bei Pferdebesitzern. Gerade Besitzer von Pony- oder Robustpferderassen werden bei Hufrehe hellhörig. Diese Rassen werden häufiger von Hufrehe befallen, obwohl sie kein besonderes Gen besitzen, das sie anfälliger für Hufrehe machen würde als andere Pferde. Bei der Haltung und Fütterung von Ponys werden allerdings leider oft die schwerwiegendsten Fehler gemacht.

Symptome
Der Pferde-Huf wird zu Beginn der Krankheit kühler. Da diese Abkühlung aber nur einige Minuten anhält ist dieses Symptom leicht zu übersehen. In der Folgezeit ist der Huf dann wärmer, da eine Entzündung eintritt.
Der Kronrand ist leicht geschwollen. Der Gang der Pferde wird verhalten. Die Schritte werden kurz und flach und versteifen sich zusehends. Dies ist beim Wenden der Pferde besonders deutlich.
Wird die Sohle mit einer Hufuntersuchungszange abgetastet zeigt das Pferd Schmerzen.
Wenn nur ein Bein betroffen ist, hält das Pferd dieses hoch. Sind die Hinterbeine erkrankt, bringt das Pferd die Vorderbeine weit nach hinten unter den Bauch, senkt als Gegengewicht den Kopf und belastet die Hinterhufe abwechselnd.
Sind alle vier Beine oder nur die Vorderbeine von der Rehe betroffen, stellt das Pferd die Hinterbeine nach vorn unter den Bauch und verlagert das Gewicht auf die Hinterhand und auf die Trachten (Ballenfußung).
 
Zudem ist der Atem - (normal 8-16/min in Ruhe) Puls (normal 30-44 pro Minute),erhöht. Fieber kann auftreten. Unruhe, Angst, Schmerzen und häufiges Abliegen sind weitere Anzeichen.
 
Die akute Hufrehe wird nach einem Vierstufenmodel eingeteilt:
Grad 1: In der Ruhe hebt das Pferd die Hufe ständig abwechselnd. Im Schritt ist keine Lahmheit zu erkennen, im Trab ist der Gang kurz und steif.
Grad 2: Die Pferde gehen im Schritt zwar willig, aber steif vorwärts. Das Aufheben eines Fußes ist ohne Schwierigkeiten möglich.
Grad 3: Das Pferd bewegt sich äußerst widerwillig und wehrt sich heftig gegen den Versuch, einen Fuß zu heben.
Grad 4: Das Pferd weigert sich, sich zu bewegen. Es ist nur durch Zwang zum Laufen zu bringen. Eventuell wird auch das Fressen durch zu große Schmerzen eingestellt.

Ursachen
Hufrehe kann mehrere Ursachen haben. Es handelt sich aber immer um eine Zikulationsstörung des Blutes im Bereich der Huflederhaut.
 
Bei Überbelastung des Hufes kann es zu einer Belastungsrehe kommen. Diese ist meist Folge von langem Laufen auf harten Böden, oder durch Überlastung eines Hufes z. B. nach der Ruhigstellung des gegenüber liegenden Beines.
Am häufigsten ist die Futterrehe anzutreffen. Diese rührt von falscher Fütterung (meist durch zu kohlenhydratreicher Nahrung) her. Rehe kann aber auch durch zu großer Mengen kalten Wassers auftreten.
Eine Geburtsrehe kann durch Verbleiben von Kleinstteilen der der Nachgeburt in der Gebärmutter entstehen. Hierbei kommt es zu einer bakteriellen Zersetzung und der Aufnahme von Endotoxinen in die Blutbahn.
Bei der Vergiftungsrehe werden im Darm ähnliche Vorgänge wie bei der Futterrehe ausgelöst. Vergiftungen können entstehen bei Aufnahme von Giftpflanzen. Auslöser einer Vergiftungsrehe kann auch sein, wenn ein massiver Parasitenbefall vorlag und große Parasitenzahlen absterben.
Schließlich können noch bestimmte Medikamente die Ursache für eine Medikamentenrehe sein. Dabei stehen insbesondere Cortisonpräparte unter Verdacht.
 
Als Folge- oder Begleitkrankheit kann Rehe bei bei Pferden zu Schilddrüsenerkrankungen, Zyklusstörungen der Stute, Koliken, Darmentzündungen, Kreuzverschlägen, Durchfallerkrankungen und lokalen Entzündungen durch Strom- oder Blitzschlag auftreten.

Behandlung

Sofortmaßnahmen

Erste Maßnahme sollte die sofortige Verständigung eines Tierarztes sein.
Den Huf sofort und anhaltend kühlen, am besten den Huf in einen Eimer Wasser stellen. Durch die Kühlung wird die Entzündung gehemmt und der Schmerz gelindert.
Bei allen Formen der Rehe ist eine Futterumstellung angeraten. Das Futter sollte nur aus Stroh und Heu bestehen. Möhren und Äpfel können ergänzt werden.
 
In der Akutphase und zur Prophylaxe empfiehlt es sich, Rauhfutter mit niedrigem Futterwert als Hauptnahrungsmittel einzusetzen oder die Heugabe zu verringern und durch Stroh zu ersetzen.
 
Stress sollte vermieden werden. Daher das Pferd nicht transportieren, oder wenn ein Transport nötig ist mit Schwämmen und Verbänden die Hufe polstern. Ansonsten das Pferd auf weichen Boden stellen.

Therapie durch den Arzt
Bei einer akuten Rehe steht eine Schmerztherapie und die Föderung der Durchblutung im Vordergrund.
Begleitend können entgiftende (Lebertherapeutika) und nierenanregende Substanzen sowie homoöpatische Mittel verabreicht werden.
Chronische Reheformen bedürfen der Abklärung der Veränderungen durch Röntgen- oder computertomographische Aufnahmen.

Rehegipse
Um den betroffenen Huf völlig zu entlasten und die Gewichtsverlagerung auf den Trachtenbereich und der Entgegenwirkung des Zugs der tiefen Beugesehne mit einer Drehung des zu verhindern oder aufzuhalten können verschiedene Rehegipse angelegt werden.
 
Vorsicht: Rehegipse stellen hohe Anforderungen an alle Beteiligten. Druckveränderungen unter der Sohle können unbemerkt und unversorgt bleiben, Scheuerstellen mit Infektionsgefahr können durch den Gips verursacht werden und das absolut wichtige Kühlen der Zehe ist so nicht oder nur schwer möglich. Zudem entsteht eine zusätzliche Verletzungsgefahr durch Stolpern.

Aderlass und Blutegeltherapie
Abhängig von der Größe des Pferdes werden beim Aderlass werden 5-10 Liter Blut abgenommen. Es sollte aber nicht zu viel Blut abgenommen werden, um einen Kreislaufkollaps zu verhindern. Vertrauen sie auf ihren Tierarzt.
Durch den Aderlass werden die Giftstoffe und die festen Blutbestandteile reduziert. Die entnommene Menge kann durch Kochsalzlösungen ersetzt werden.
 
Die Prozedur ist für das Pferd allerdings genauso unangenehm wie das Verfahren mit Blutegeln, welche dasselbe Ziel hat.

Heilungschancen

Die Heilungschancen sind immer vom Grad der Erkrankung abhängig, eine umfassende Untersuchung durch einen Tierarzt ist also unabdingbar. Das Alter, Begleiterscheinungen, Vor- und Zusatzerkrankungen, das Gangvermögen vor und nach der Reheerkrankung, spielen ebenfalls eine Rolle. Gegebenenfalls kann man sich durch das Einholen einer Zweitmeinung zusätzliche Sicherheit verschaffen. Auch ein Hufschmied, der auf diesem Gebiet Erfahrung besitzt, ist ein guter Ansprechpartner.

Prophylaxe
Durch artgerechte Haltung, wie ausreichende Bewegungsfreiheit auf einer entsprechend großen Fläche und Gruppenhaltung sowie Vermeidung von Stress und tägliche Hufpflege lassen sich einige auslösende Faktoren vermeiden. Zum Schutz vor Vergiftungsrehe sollten Giftpflanzen und Pilze von den Weiden entfernt werden.


Zur Prophylaxe der Geburtsrehe darf die Nachgeburt nicht herausgezogen werden und nach ihrem Abgang ist sie auf Vollständigkeit zu prüfen. Ist diese Ablösung der Nachgeburt nicht innerhalb von 2 Stunden geschehen, sollte ein Tierarzt verständigt werden.


Zur Vermeidung einer Belastungsrehe sollten Trab und Galopp auf harten Untergründen vermieden werden. Nach längeren oder anstrengenden Ausritten und Transporten können die Beine gekühlt oder mit speziellen Gels eingerieben werden. Zur Vorbeugung vor Stallrehe bei einseitiger Überbelastung, wird das Bandagieren des strapazierten Beines empfohlen. Gegebenenfalls kann ein kurzfristiges Aufhängen des Pferdes in einer entsprechenden Halterung sinnvoll sein.


Zur Prophylaxe der Futterrehe ist Übergewicht unbedingt zu vermeiden. Es sollte stets rohfaserreiches Futter, wie abgelagertes Heu und Haferstroh bevorzugt werden.

Bach-Blüten für Pferde Akute Situationen

Akute Situationen erfordern eine kurzzeitige Behandlung. Sie dauert von etwa einem Tag bis zu drei Wochen. Hierzu gehört auch die vorbeugende Behandlung des Pferdes. Auf Prävention wird in unserer Gesellschaft viel zuwenig Augenmerk gelegt. Gerade hier leisten die Bach-Blüten unschätzbare Dienste. Akute Situationen sind häufig auch von Laien zu therapieren. Sehr oft werden hier die Notfalltropfen zum Einsatz kommen. Falls keine Pipettenflasche zur Verfügung steht, können Bach-Blüten auch mal verdünnt verwendet werden. Ansonsten empfehle ich die Herstellung einer 10 ml Flasche.
Je akuter die Situation, um so öfter erfolgt die Gabe der Bach-Blüten. Im Notfall können die Tropfen alle 10 Minuten verabreicht werden. Der Pferdehalter sollte nach seinem Gefühl gehen, wann er die Gabe einstellen kann. Treten die Symptome wieder auf, wurden die Bach-Blüten zu früh abgesetzt.

Dieser Beitrag stammt aus

Bach-Blüten für Pferde

Ute Meyerdirks-Wüthrich

184 Seiten, 53 Abbildungen
KOSMOS Verlag


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Video zu Hufrehe