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Herpes

Wie beim Menschen mit Herpes Zoster, Herpes genitalis und Herpes Simplex gibt es auch beim Pferd verschiedenste Herpes-Viren, die unterschiedlichste Auswirkungen haben können. Die bedeutendste ist dabei die Infektion mit dem Equinen Herpesvirus 1 (EHV-1). Allen Herpes-Erkrankungen ist gemein, dass sie nicht mit Hausmitteln behandelt werden sollten, sondern nur durch den Tierarzt versorgt werden sollten.
 

Equines Herpesvirus 1 (EHV-1) und 4 (EHV-4)

Infektionen des EHV-1 und EHV-4 lösen eine Entzündung der Atemwege (Rhinopneumonitis) aus. Die EHV-1 können zudem den Virusabort der Stuten auslösen.
Die Herpesviren gelangen über die Nase in das Pferd. Herpesviren verbreiten sich also über Tröpfchen. Sie sind weit verbreitet und vielerorts endemisch, so dass es häufig zu Reinfektionen kommt. Zu Erkrankungen der Atemwege kommt es meist nur bei Jungtieren oder geschwächten Tieren. Der Virusabort tritt in der späten Phase der Trächtigkeit auf.


Rhinopneumonitis

Die Erkrankung betrifft vor allem die oberen Luftwege. Unter Umständen kann sie auch zu einer Lungenentzündung führen. Die Inkubationszeit beträgt 2-10 Tage. Sie äußert sich mit Fieber (bis 40,5 °C). Dazu kommen meist Husten sowie Nasen- und Augenausfluss. Zu dem kommt es zu einer vorübergehenden Neutropenie (Verminderung von Blutbestandteilen, meist der weißen Blutkörperchen) und Lymphopenie (Mangel an Lymphozyten im Blut). Die Krankheit heilt meist in 2 (bis 5) Wochen aus. Bakterielle Sekundärinfektion können hinzukommen.

Virusabort bei Stuten

Zwischen dem 7ten und 11ten Monat kann es zum Virusabort kommen, wenn sich die trächtigen Stuten mit dem Herpesvirus infizieren.
EHV 1 greift dabei die Schleimhäute der Gebärmutter und Plazenta an, so dass das Ungeborene nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden kann und abstirbt. Zudem kann es zur Geburt lebensschwacher Fohlen kommen, die dann meist kurz nach der Geburt verenden.


Paralytisches Syndrom

In seltenen Fällen kann EHV-1 auch zu neurologischen Erkrankungen führen. Infolge einer Myelitis (Entzündung des Rückenmarks) kommt es zu Lähmungen der Hintergliedmaßen.

Prophylaxe

Ist ein Pferd betroffen ist darauf zu achten, dass man die Tröpfchen nicht zu anderen Pferden trägt. Das betroffene Tier ist isoliert zu halten. Direkter Kontakt zum erkrankten Tier sollte soweit als möglich eingeschränkt werden. Andere Ställe sollten nicht betreten werden, wenn man beim infizierten Pferd war.
Die Quarantäne ist bis drei Wochen nach Abklingen der akuten Infektion aufrecht zu halten.
Wichtigstes Bekämpfungsmittel ist die vorbeugende Impfung (Vakzinierung), wobei sowohl ein Lebend- als auch Totimpfstoff verfügbar sind. Die Impfstoffe lösen zwar eine Antikörperbildung aus, können aber Reinfektionen mit Feldviren nicht vollständig verhindern. Jedoch verläuft die Krankheit bei geimpften Pferden meist harmlos, Virusaborte treten nicht auf. Der Impfschutz hält allerdings nur maximal 9 Monate an, die Immunität der Schleimhäute ist meist deutlich kürzer. Deshalb ist die Impfung alle 6 Monate zu wiederholen. Trächtige Stuten sollten im 3./4. Trächtigkeitsmonat zum ersten Mal, im 7./8. Trächtigkeitsmonat erneut geimpft werden.

Equines Herpesvirus 2

Das Equine Herpesvirus 2 ist weit verbreitet und kommt auch ohne spezifische Krankheiten bei Pferden vor. Es wird durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren übertragen. Erkrankungen durch das Virus erkennt man an einer Entzündung der Bindehaut und Hornhaut des Auges und der Erkrankungen der oberen Luftwege.


 
Equines Herpesvirus 3

Das Equine Herpesvirus 3 löst eine gutartige Genitalinfektion aus die auch als Koitalexanthem oder Bläschenausschlag bezeichnet wird. Die Übertragung erfolgt über den Deckakt. Symptome sind stecknadelkopf- bis erbsengroße Bläschen, Pusteln oder Erosionen des Scheidenvorhofs bzw. des Penis oder der Vorhaut. Infizierte Tiere bleiben lebenslang Virusträger und müssen daher aus der Zucht ausgeschlossen werden.
In Österreich ist der Bläschenausschlag der Pferde eine anzeigepflichtige Tierseuche.
 

Pferdekrankheiten Herpes

Herpesviren kennt jeder, denn auch wir Menschen sind häufig damit befallen. Zur Zeit tragen ca. 70% aller Pferde Herpesviren in sich. Bei den Erregern handelt es sich um einen latenten Virus, der still im Körper schlummert und erst bei Streß oder anderen Veränderungen in der Umgebung des Pferdes seine krankmachenden Eigenschaften entwickelt. Herpesviren sind für eine Vielzahl von Erkrankungen verantwortlich:
I. Eine Erkältung, ähnlich der Influenza. Die Viren werden allerdings nicht über Tröpfchen verbreitet, sondern durch Kontakt. Wurzelbürsten, Bekleidung, Sattelzeug, Tränkeimer etc. dienen als Transportmittel durch den Stall und auch von Stall zu Stall. Deshalb darf man den Stallbesitzern auch nicht böse sein, wenn sie darauf bestehen, dass bei den Schulpferden nur betriebseigenes Putzzeug verwendet wird.
II. Der Virusabort. Die Stuten verlieren ihre Fohlen im letzen Drittel der Trächigkeit. Er ist nicht nur sehr traurig, dass das Fohlen nicht geboren wird, sondern es besteht auch eine große Gefahr für die Stute, die dadurch schwere Erkrankungen bekommen kann.
III. Am schlimmsten wirken sich die Viren aus, wenn sie das zentrale Nervensystem befallen. Der Virus verändert die Durchlässigkeit von Gefäßen, so kann Blut in das Rückenmark austreten. Das Rückenmark ist von einer festen kaum dehnbaren Haut umgeben. Sie kann sich nicht ausdehnen, wenn dort ein Bluterguss stattgefunden hat. Es entsteht ein ungeheurer Druck auf die Nerven, der dann eine Lähmung zur Folge hat. Erst kommt das Pferd nur hinten nicht hoch, dann kann es irgendwann gar nicht mehr aufstehen und muss eingeschläfert werden.

Dieser Beitrag stammt aus

Pferdekrankheiten

Christian Schacht

128 Seiten, 173 Abbildungen
KOSMOS Verlag


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